Kann sich eine Fabrik der letzten Generation mit innovativen Formen und Technologien heutzutage mit der gleichen Anmut in die umbrische Landschaft einfügen wie einst die schönsten Klöster und Abteien? Scheinbar schon. Die Entscheidung für den Planer ENZO EUSEBI (NOTHING STUDIO) beruhte auf dem Gedanken, Architektur und Landschaft als Einheit zu sehen und die Liebe zur Natur mit der Effizienz einer mit den modernsten Infrastrukturen und Technologien ausgestatteten Anlage zu verbinden. Die wie bei Hofe wirkende Gestaltung kreiert eine häusliche, auf den Menschen zugeschnittene Umgebung, in der die sorgfältige Studie der Ergonomie und des Arbeitskomforts erstmals in Italien im Gleichschritt mit der Robotik für die Fleischverarbeitung verläuft.

Eine rein äußerliche Schlichtheit harmonisiert die grüne Decke des Hügels mit dem scheinbar schon immer hier gewesenen Fabrikkomplex. Er ist da, man sieht ihn deutlich und er bereichert die Landschaft, ohne sich in den Vordergrund zu spielen. Das Ergebnis ist ein kleines, bemerkenswertes architektonisches Juwel, das den Umwelteinfluss auf ein Mindestmaß reduziert und auf ein begrüntes Dach setzt, das sowohl naturalistische als auch wirtschaftliche Vorteile mit sich bringt, sowie auf einen Abwasserzyklus vorsieht, der an Genialität grenzt. 

Die vollständig verglasten Oberflächen reflektieren die Landschaft und geben dennoch den Blick nach Draußen frei. Die Landschaft hält Einzug in die Fabrik und die Fabrik macht sich unsichtbar, zugänglich für Blicke von außen, ganz so wie eine Geschichte, die durch die Betriebsamkeit ihrer Akteure lebendig ist. Das Gebäude schätzt die Arbeit der Menschen und kreiert einen gelungenen Dialog mit dem Gebiet. Frei von jeder Nostalgie, mit einem in die Zukunft gerichteten Blick.

Die wahre poetische Seele dieses Orts kann man jedoch erst am Abend erfassen, wenn sich Technologie in Suggestion verwandelt, Beleuchtung zum Theater wird und vom gesamten Tal aus die Schönheit einer betriebsamen Ikone erfasst werden kann, vergleichbar mit alten Klöstern, in denen das Tun und die Betrachtung in der Lebhaftigkeit des konkreten Lebens, des Handels und des Zusammenseins miteinander verschmolzen.

DER PLANER – Der kreative Kopf und Verantwortliche für das "Preci-Projekt" ist Enzo Eusebi, ein in Italien wie im Ausland für seinen nicht nur bezüglich der Umwelt, sondern auch hinsichtlich wirtschaftlicher und verwaltungstechnischer Gesichtspunkte nachhaltigen Planungsansatz bekannter Architekt und Ingenieur. 

2012 hat er als vollkommene Vorpremiere das Projekt auf der 13. Biennale von Venedig in der von Luca Zevi geplanten Italien-Halle als Interaktion von Architektur und Umwelt in Hinblick auf die wirtschaftliche Entwicklung des Gebiets vorgestellt.

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